Vorstellung der “COPSY”-Studie II am 10.02.2021

Am 10.02.21 wurde die 2. Welle der COPSY-Studie (Corona und Psyche) des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) vorgestellt. Kinder und Jugendliche wurden darin zu ihrem seelischen Empfinden während der Pandemie befragt, hinzu kamen Fragen an die Eltern. Es gab bereits eine erste Welle, die im ersten Lockdown stattfand (s.w.u.). Nunmehr wurden dieselben Personen nochmal befragt, wie es ihnen im 2. Lockdown geht. Die Studie ist sehr wichtig, weil es nur wenige wissenschaftliche Erhebungen gibt, die die Sicht der Kinder auf die Corona-Zeit überhaupt einbezieht.

Ergebnisse: Acht von zehn der befragten 7-17jährigen fühlen sich durch die Lockdown-Maßnahmen belastet, das ist eine Zunahme von 71 % im ersten auf 85 % im zweiten Lockdown. Ihre Lebensqualität hat sich weiter verschlechtert, viele fühlen sich weniger fit und haben weniger Energie (dies sagten 3 von 10 im Frühjahr 2020, mittlerweile sind es 6 von 19 Kindern / Jugendlichen).

Schwierigkeiten beim Lernen und beim Distanzunterricht bedrücken die Kinder und Jugendlichen zusätzlich, zwei Drittel der Befragten finden Schule und das Lernen anstrengender als im ersten Lockdown.

Bei fast jedem 3. Kind gibt es Hinweise auf psychische. Belastungen, im ersten Lockdown war es jedes 5.; jüngere Kinder sind stärker belastet als ältere. Zu verzeichnen ist eine Zunahme von Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit, Interessenlosigkeit bis hin zu depressiven Verstimmungen; auch eine Zunahme allgemeiner Ängstlichkeit. Jugendliche sorgen sich, in der Zukunft nicht mehr klar zu kommen. Auch besteht eine große Unsicherheit, ob das Verhältnis zu früheren Freundinnen und Freunden noch in Ordnung ist.

Kinderärzte bestätigen der Studie zufolge eine Zunahme von psychosomatischen Beschwerden wie häufige Müdigkeit, Kopf- und Bauchschmerzen, Niedergeschlagenheit; dies habe im Vergleich zum ersten Lockdown noch weiter zugenommen.

Ein wichtiger Grund für diese Beschwerden ist Ravens-Sieberer zufolge der zunehmende Medienkonsum und dass die Kinder immer weniger Ausgleich durch Sport und Spiel an der frischen Luft haben. Hinzu komme eine ungesunde Ernährung.  

Informationen zur Studie finden Sie hier.

COPSY-Studie I zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen während des ersten Lockdowns

Die “COPSY-Studie” (Corona und Psyche) des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) untersuchte explizit die psychische Gesundheit von Kindern während der Pandemie. „Für die Studie COPSY wurden im Mai und Juni 2020 mehr als 1.000 Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren und mehr als 1.500 Eltern online befragt. […] Laut den Daten des UKE stieg das Risiko für psychische Auffälligkeiten von rund 18 Prozent vor Corona auf 31 Prozent während der Krise. Die Kinder und Jugendlichen zeigten häufiger Auffälligkeiten wie Hyperaktivität, emotionale Probleme und 24 Verhaltensprobleme. Auch psychosomatische Beschwerden traten während der Coronakrise vermehrt auf. Bericht über die Studie im Ärzteblatt

Still Face Experiment – Gefährdung der Kinder beim Tragen der Masken durch Bezugspersonen

Das „Still Face Experiment“ ist ein Verhaltensexperiment von dem US-amerikanischen Entwicklungspsychologen Edward Tronick aus den 1970er Jahren, das, ähnlich wie die „Fremde Situation“ (eine Untersuchungsmethode von John Bowlby/ britischer Kinderarzt, Kinderpsychiater, Psychoanalytiker und Mary Ainsworth/US-amerikanisch-kanadische Entwicklungspsychologin) die Bindungsfähigkeit von Kindern untersucht. Es zeigt, wie wichtig es für die gesunde Entwicklung eines Babys ist, dass seine Bezugspersonen emotionales und empathisches Verhalten zeigen. Während des Experiments wird dabei zunächst eine liebevolle Kontaktsituation zwischen Baby/Kind und dessen Bezugsperson initiiert, um diese dann für eine Weile zu unterbrechen, indem die Bezugsperson ein „still face“ zeigt, also ein ausdrucksloses Gesicht ohne Regungen. Kinder reagieren darauf, indem sie mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln versuchen, die Aufmerksamkeit der Bezugsperson wieder zu erlangen. Wenn dies nicht gelingt ziehen sie sich körperlich und emotional zurück.

Interessant ist, dass das „still face“ von den Wissenschaftlern als Vernachlässigung und Misshandlung angesehen wird, da Kinder, vor allem sehr kleine Kinder, zwingend auf Mimik und Gestik angewiesen sind und emotionales und empathisches Verhalten benötigen, um beziehungsfähig zu werden. Erfährt ein Kind häufig derartige Kontaktabbrüche, kann es zu Kontaktstörungen und tieferen psychischen Störungen führen.

Eine Studie, die bei 2,5-jährigen Kindern durchgeführt wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass auch noch Kinder in diesem Alter ähnliche Reaktionen auf das Still Face Experiment zeigen wie jüngere Kinder. Selbst Erwachsene reagieren ähnlich auf Menschen, die völlig emotionslos wirken, vor allem wenn sie in einer Beziehung zu ihnen stehen. Wenn Kinder nun häufig ihre Eltern und auch andere Bezugspersonen mit Masken erleben müssen, führt die dadurch fehlende Mimik und Emotion zu einer ähnlichen Situation wie das „Still Face Experiment“. Es gibt zwar keine Studien zu diesem Thema, aber die Vermutung liegt nahe, dass auch diese Situation zu Bindungsstörungen und psychischen Problemen, vor allem bei kleinen Kindern führen kann. Das dürfte insbesondere dann der Fall sein, wenn die Maske von der Bezugsperson über längere Zeit getragen wird, wie etwa beim Bahnfahren oder aber in der Eingewöhnungsphase in Kindergärten. Je jünger das Kind, desto gefährdeter dürfte es sein. Wikipedia-Eintrag zum Still Face Experiment Video zum Still Face Experiment

Psychische Probleme durch das Tragen oder Betrachten einer Maske

In einer repräsentativen Studie mit 1010 Teilnehmern untersuchte Daniela Prousa, ob die Mund-Nasen-Schutz-Verordnungen in Deutschland zu psychischen Belastungen der Menschen führten. Ihre Ergebnisse belegen, dass mit der Masken- 27 pflicht für viele Menschen schwere psychosoziale Folgen einhergehen können. Dazu zählen unter anderem „stark reduzierte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft aufgrund von aversionsbedingtem MNS-Vermeidungsbestreben, soziale[r] Rückzug, herabgesetzte gesundheitliche Selbstfürsorge (bis hin zur Vermeidung von Arztterminen) oder die Verstärkung vorbestandener gesundheitlicher Probleme (posttraumatische Belastungsstörungen, Herpes, Migräne)“. In einem Artikel über die Studie kommt auch die Kasseler Psychologin Antje Ottmers zu Wort: „Seit alle in bestimmten Bereichen eine Maske tragen müssen, haben die psychischen Auswirkungen massiv zugenommen. […] Der Mensch wird nicht mehr als Mensch, sondern als Gefahr wahrgenommen – und eine Gefahr gilt es oftmals zu bekämpfen. […] Aus meiner Sicht ist der Nutzen der Maske zu vernachlässigen, mit Blick auf den Schaden, den sie in der Psyche anrichtet.“ Auch wenn es hier primär um Erwachsene geht, ist anzunehmen, dass Kinder durch das Maskentragen unter ähnlichen oder möglicherweise noch größeren Problemen leiden, zumal sie sich noch in der Entwicklung befinden. Link zum Artikel Link zur Studie

Auswertung der Bundespsychotherapeutenkammer

Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) hat Mitte August eine Publikation zum Thema „Corona-Pandemie und psychische Erkrankungen“ veröffentlicht. Darin wurde die bis dahin vorliegende Forschungslage zusammengefasst. Hier zwei Auszüge Kinder und Jugendliche betreffend: „Sprang und Kollegen (2013) untersuchten die Auswirkung von Quarantäne- und Isolationsmaßnahmen nach dem Ausbruch der Schweinegrippe im Frühjahr 2009 auf die psychische Gesundheit amerikanischer Kinder und deren Eltern gezielt und stellten dabei besorgniserregende Tendenzen fest: Kinder, die sich in Quarantäne oder Isolation befunden hatten, waren etwa fünfmal so oft auf professionelle psychologische Unterstützungsangebote angewiesen (33,4 % vs. 6,6 %) und entwickelten häufig psychische Erkrankungen. Am häufigsten traten Belastungsreaktionen auf (16,7 %), Anpassungsstörungen (16,7 %) und Trauer (16,7 %). Eine posttraumatische Belastungsstörung wurde bei 6,2 Prozent dieser Kinder diagnostiziert. Das ist viermal häufiger als bei Kindern, die nicht in Quarantäne und isoliert waren. Bei Jugendlichen zeigten sich vor allem generalisierte Angststörungen (20 %) und Anpassungsstörungen (20 %). Eine posttraumatische Belastungsstörung wurde bei 1,4 Prozent der Jugendlichen diagnostiziert, insbesondere dann, wenn auch die Eltern daran erkrankten, dann entwickelten 85,7 Prozent der Kinder und Jugendlichen eine posttraumatische Belastungsstörung.“ „In einer Onlinebefragung junger Leute zwischen 14 und 35 Jahren in China berichteten 40,4 Prozent der 584 Befragten von psychischen Problemen und 14,4 Prozent von posttraumatischem Stress (Liang et al., 2020).“ Quelle

UNICEF warnt vor psychischen Belastungen der Kinder

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Sie befinden sich noch in der Entwicklung und haben deshalb besondere Bedürfnisse. Sie haben unter anderem einen viel höheren Bewegungsdrang, einen wesentlich höheren Bedarf an Sauerstoff, benötigen in hohem Maße Mimik und Gestik, um Sprach- und Sozialverhalten erlernen zu können und sind auf den Schutz durch Erwachsene angewiesen, weil sie viele Dinge noch nicht oder nicht allein entscheiden können oder dürfen und nur bedingt eigenverantwortlich handeln können. Sie unterliegen außerdem vielen Zwängen, denen sie sich je nach Temperament nicht oder nur schwer widersetzen können. Gerade deshalb sind wir Erwachsenen besonders gefordert, auf den Schutz dieser Personengruppe zu achten. Nachweislich ist das in den letzten Monaten nicht passiert. Laut §1666 BGB liegt eine Kindeswohlgefährdung vor, wenn „das körperliche, geistige oder seelische Wohl des Kindes oder sein Vermögen gefährdet“ wird. Dies ist derzeit durch die staatlich angeordneten Maßnahmen der Fall: Kinder wurden und werden ohne wissenschaftliche Evidenz zusätzlichen Zwängen, hohen psychischen Belastungen sowie immunschwächenden und entwicklungsgefährdenden Maßnahmen ausgesetzt. Dies muss ein sofortiges Ende finden! Kindeswohl und Menschenrechte UNICEF-Report: Kindeswohl auch in reichen Ländern in Gefahr Laut dem UNICEF-Report „Worlds of Influence: Understanding what shapes child well-being in rich countries“ führen und führten die Coronamaßnahmen zu hohen Belastungen bei Kindern auch in Deutschland. Dazu gehören „der Verlust von Angehörigen und Freunden, Angst, Ausgangsbeschränkungen, fehlende Unterstützung, Schulschließungen, das Ausbalancieren von Arbeit und Privatleben in den Familien, unzureichender Zugang zu Gesundheitsmaßnahmen sowie Einkommens- und Jobverluste. Diese Belastungen können Kindern enormen Schaden zufügen; sie gefährden ihre mentale und körperliche Gesundheit und Entwicklung.“ UNICEF fordert aus diesem Grund die Regierungen dazu auf, das Wohlergehen der Kinder besser zu schützen. Quelle UNICEF: https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/presse/2020/report-kindeswohl-in-reichen-laendern-in-gefahr/224250

Artikel über die psychischen Auswirkungen der Corona-Maßnahmen:

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Und auch nicht, um “gesund” zu sein. Mit Beispielen dafür, dass Menschen nicht mit oder durch Covid-19, sondern infolge der Maßnahmen zur Eindämmung des Virus verstorben sind oder schwerwiegende psychische Folgeschäden erlitten haben. Diskutiert wird, ob die Maßnahmen nicht humaner hätten ausgerichtet werden können, auch bei gleicher Einschätzung des Risikos. Die Antwort ist: Ja.

Aktueller Artikel vom 24.11.2020 zu den wissenschaftlich absehbaren Langzeitfolgen für die Kindergesundheit, u.a. auch den psychischen Folgen: “Maßnahmen für Kinder: Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie – Studien des RKI

FAQ Psychische Folgen von Lockdown, Quarantäne und Hygienemaßnahmen