FAQ: Übertragungswege SARS-CoV-2 /Covid-19

Wie groß ist die Gefahr, sich mit SARS-CoV-2 zu infizieren und zu erkranken? Ist schon die bloße Anwesenheit eines Infizierten in der näheren Umgebung eine Bedrohung? Natürlich nicht. Die Medienberichterstattung erweckt jedoch leider  genau diesen Eindruck. Das ist nicht evidenzbasiert und schürt unnötige Ängste.

Rationaler ist die folgende Betrachtung: Das Risiko, sich zu infizieren, hängt ab von folgenden Faktoren:

  1. individuelles Ansteckungsrisiko
  2. Virenlast in der jeweiligen Umgebung
  3. Einflussfaktoren auf die Viruslebensdauer
  4. Intensität und Dauer, mit der eine Person dieser Virenlast ausgesetzt ist

Ansteckungsrisiko steigt mit dem Alter

Das Risiko, sich anzustecken, steigt offenbar mit dem Alter. Darauf verweisen die Ergebnisse vieler Studien über Infektionsketten von SARS-CoV-2. Kinder erkranken nicht nur sehr viel seltener an Covid-19, sondern haben offenbar auch ein deutlich geringeres Infektionsrisiko. Dieser Studie aus Spanien zufolge, die auch im RKI-Steckbrief für Covid-19 zitiert wird, liegt das Risiko, sich bei einem infizierten Indexpatienten im Haushalt anzustecken, bei Kindern und Jugendlichen (0-24 J.) sogar bei nur 0,3 %.

Ältere Menschen stecken sich eher an und erkranken auch häufiger schwer, letzteres betrifft wiederum Männer stärker als Frauen.

Wer ist für wen “gefährlich”?

Aus dem Gesagten folgt, dass ein deutlich größeres Risiko besteht, wenn ältere Menschen ihre erwachsene Kindern treffen, als wenn sie Zeit mit ihren Enkeln verbringen. Auch Lehrer/innen sind ansteckender für ihre Schüler als umgekehrt und als Schüler untereinander. Viele Fallstudien aus Schulen zeigen, dass das Virus eher von den erwachsenen Mitarbeitern der Schule verbreitet wurde als durch Schüler/innen. In vielen Berichten über vermeintliche „Ausbrüche“ an Schulen wird die Zahl derjenigen, die in Quarantäne gesetzt werden, verwechselt mit der Zahl derjenigen, die sich tatsächlich im Schulumfeld angesteckt haben. Je jünger die Schüler, desto geringer die Ansteckungsgefahr.

Eine Studie bestätigte jüngst (Stand Mai 2021) den deutlich geringeren Aerosolausstoß durch Kinder, vgl. hier und hier. Ist relativ naheliegend, da Kinder ein geringeres Lungenvolumen haben, hat aber ein Jahr gedauert, bis dies wissenschaftlich bestätigt werden konnte….

Ist infiziert = infektiös?

Immer wieder wird unterstellt, dass jeder Infizierte auch ansteckend für andere ist. Hierfür scheint es jedoch nach wie vor keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege zu geben. Im Gegenteil gibt es viele Fälle, wo nachweislich Infizierte mit anderen Persomem Zeit verbracht haben und diese dennoch nicht angesteckt haben.

Wie gefährlich sind symptomlose Infizierte?

Die so genannte symptomlose Übertragung scheint insgesamt eine wesentlich geringere Rolle zu spielen, als in der öffentlichen Debatte suggeriert wird. Wer sich die Fallstudien, insbesondere über so genannte Superspreader-Events, genauer anschaut, stellt fest, dass die jeweiligen “Indexpatienten” – so wird die Person genannt, von der eine Übertragung auf mehrere andere Personen mutmasslich ausging – zumeist eben doch bereits Symptome von Covid-19 aufwiesen. Das aber bedeutet, dass nicht überall und bei jeder Begegnung eine “unsichtbare Gefahr” lauert, sondern dass es eben doch vor allem darauf ankommt, sich vor Tröpfchenübertragung zu schützen – was eine sehr gute, entlastende Nachricht ist. Die Tröpfchenübertragung, über lautes Sprechen, vor allem aber Husten oder Niesen, ist der weitaus wichtigere Verbreitungsweg und eben nicht eine unsichtbare Gefahr.

Es gibt keine überzeugenden wissenschaftlichen Belege dafür, dass jemand, der symptomlos bleibt, vorübergehend ansteckend ist. Die Behauptung, Kinder würden das Virus heimlich verbreiten, weil sie häufig symptomlos bleiben, auch wenn sie infiziert sind, kann als unnötige (und gesellschaftlich extrem schädliche) Panikmache ad acta gelegt werden.

Wie groß ist die Ansteckungsgefahr im Freien?

Eine aktuelle, im Journal of Infectious Diseases vorab veröffentlichte Metanalyse stuft das Infektionsrisiko mit SARS-CoV-2 bei Außenaktivitäten als deutlich geringer ein als das bei Innenaufenthalten. In fünf der durch ein interdisziplinäres Forscherteam ausgewerteten Studien betrug der Anteil der Übertragungen, die draußen stattgefunden haben könnten, weniger als zehn Prozent. Eine der in die Analyse einbezogenen Studien bezifferte das Risiko einer Infektion im Freien sogar als knapp 19-mal niedriger als das innerhalb geschlossener Räume.

Natürlich ist eine Übertragung niemals auszuschließen und bei engerem Körperkontakt, vor allem im Gesichtsbereich, auch an der frischen Luft möglich. „Ausbrüche“ sind dieser Metaanalyse zufolge auch bei Massenveranstaltungen im Freien nicht zu befürchten. Analysiert worden waren auch Berichte über Festivals und Sportveranstaltungen, die noch in der „alten“ Normalität stattgefunden hatten, d.h. ohne Abstand, ohne Maske und mit zwischenzeitlichen Aufenthalten in Innenräumen wie Restaurants und Umkleidekabinen. Demonstrationsverbote aus Infektionsschutzgründen entbehren somit einer wissenschaftlich evidenzbasierten Grundlage.

Welche Rolle spielen Klimaanlagen?

Auch in Innenräumen muss viel genauer differenziert werden. Neuere Übersichtsstudien verweisen darauf, dass Klimaanlagen das Risiko eines Spreading-Events deutlich steigern. Bei einer ganzen Reihe „berühmter“ Verbreitungs-Events, die in den Medien in angstschürender Weise aufgegriffen wurden, spielten Klimaanlagen offenbar eine Schlüsselrolle, da sie die Raumluft immer wieder zirkulierten. Genauere Ausführungen zu diesem Thema finden Sie in diesem Artikel, der am 21.12.2020 bei den NachDenkSeiten erschien.

Die FAQ zur Übertragungs- und Ansteckungsgefahr unter verschiedenen Bedingungen und Konstellationen werden weiter ergänzt (Stand 2. Januar 2021).

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